Was Sie jetzt tun können!

Ob Sie nun jetzt gleich zu einem Gespräch in eine Schuldnerberatungsstelle gehen, ob Sie noch auf einen Termin warten oder ob Sie noch unschlüssig sind: Wenn Ihnen Ihre Schulden zur Last werden, können Sie doch bereits Einiges tun, um eine weitere Überschuldung in Grenzen zu halten - und eine Schuldenregulierung in Angriff nehmen. 

In diesem Abschnitt finden Sie eine Übersicht über die wichtigsten Dinge, die sie anpacken und vorbereiten können. So ist es z.B. hilfreich - aber keine Voraussetzung! - für ein erstes Gespräch in der Schuldnerberatungsstelle, wenn vorher die finanzielle Situation im Haushalt klar ist. Hierzu gehört eine aktuelle Aufstellung über monatliche Einnahmen und Ausgaben sowie eine möglichst vollständige Liste Ihrer offenen Zahlungsverpflichtungen. Außerdem sollten Unterlagen wie z.B. Lohnbescheinigungen, Mahnungen, Pfändungsbescheide usw. zur Verfügung stehen.


Wartezeit: Was Sie jetzt schon tun können!


Überblick verschaffen

Um Ihre Geldprobleme dauerhaft in den Griff zu bekommen, ist es wichtig, sich einen genauen Überblick über Ihre aktuelle finanzielle Situation und Ihre Schulden zu erarbeiten. Sie brauchen einen genauen Überblick über Ihre monatlichen Einnahmen und Ausgaben. Außerdem müssen Sie versuchen, fehlende Unterlagen zu besorgen.

Was können Sie tun:

  • Erst einmal Ordnung schaffen und alle vorhanden Unterlagen sortieren. Wenn nicht bereits geschehen, heften Sie vorhandene Darlehensverträge, Rechnungen, Kaufverträge, Forderungsaufstellungen, Mahn- und Vollstreckungsbescheide und evtl. Zahlungsnachweise in einem Ordner ab. Einfach alles, was mit Ihren Schulden zu tun hat. Bilden Sie dabei sinnvolle Untergruppen und legen Sie die Unterlagen in zeitlicher Reihenfolge ab: Oben das aktuellste Schreiben, dann absteigend die älteren Unterlagen.
  • Stellen Sie einen Haushaltsplan mit allen Einnahmen und Ausgaben auf. Damit verschaffen Sie sich den besten Überblick.
  • Beantragen Sie eine Selbstauskunft bei der Schufa.
  • Nach der Schufa ist die Firma InFoScore die größte Auskunftei Deutschlands. Auch hier können Sie schriftlich und formlos eine Selbstauskunft InFoScore beantragen.
  • Fordern Sie bei Ihren Gläubigern eine aktuelle Aufstellung aller ihrer Forderungen und eventuell auch Kopien fehlender Unterlagen an.


Berechtigung von Forderungen prüfen

Der Vollstreckungsbescheid ist eine Urkunde, aus der ein Gläubiger 30 Jahre lang die so genannte Zwangsvollstreckung betreiben kann. Dabei hat kein Gericht geprüft, ob diese Forderung überhaupt berechtigt ist. Das müssen Sie selbst übernehmen. Am besten sofort. Wenn sich ein Inkassobüro an Sie wendet, sollten Sie in jedem Fall überprüfen, ob dies überhaupt berechtigt ist, eine Forderung an Sie zu richten.

Was können Sie tun:

  • Kontrollieren Sie genau, ob die im Bescheid gestellte Forderung berechtigt ist.
  • Kontrollieren Sie die Forderungshöhe.
  • Lassen Sie sich von Inkassobüros immer eine Abtretungserklärung oder Vollmacht vorlegen. Wenn diese fehlen, halten Sie sich weiterhin an Ihren Gläubiger.


Was Sie beim Umgang mit Gläubigern beachten sollten!

  • Unterschreiben Sie grundsätzlich keine vom Inkassobüro bzw. Inkassoanwalt formulierten Schuldanerkenntnisse und Selbstauskunftsbögen! Lassen Sie sich von einer Schuldnerberatungsstelle bei der Beurteilung solcher Schreiben unterstützen.
  • Lassen Sie auch niemals zusätzlich Ihren Partner oder Ihre Partnerin unterschreiben. Unter Umständen müssen diese danach für Ihre Schulden haften.  
  • Lassen Sie Mitarbeiter von Inkassobüros lieber nicht in Ihre Wohnung. Nur Gerichtsvollzieher und Vollzugsbeamte der öffentlichen Verwaltung sind berechtigt, Ihre Wohnung zu betreten.


Einnahmen erhöhen

Manchmal erscheint die Schuldenlast so erdrückend, dass das Naheliegendste übersehen wird. Überlegen Sie auch, ob Sie Ihre Einnahmen erhöhen können.

  • Haben Sie die Möglichkeit, Ihre Erwerbstätigkeit auszuweiten oder Nebentätigkeiten anzunehmen? Dann tun Sie das.
  • Prüfen Sie, ob Sie die in Ihrer momentanen Situation zustehenden staatlichen Leistungen auch tatsächlich in Anspruch nehmen. 
Link: Staatliche Hilfen für Familien

Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend


Ausgaben reduzieren

Überlegen Sie, wo Sie bei Ihren Ausgaben eventuell sparen können. Einige Beispiele:

  • Nutzen Sie günstigere Call-by-Call-Vorwahlen auf Ihrem Festnetzanschluss;
  • wechseln Sie den Tarif oder den Anbieter;
  • vermeiden Sie lange Gespräche mit dem Handy, insbesondere in den Hauptzeiten.
  • Stellen Sie Elektrogeräte richtig aus und nicht auf stand-by;
  • prüfen Sie den Einsatz von Energiesparlampen;
  • regeln Sie die Temperatur in Ihrer Wohnung entsprechend der Nutzung des jeweiligen Raumes – insbesondere bei Abwesenheit und nachts;
  • Überprüfen Sie alle Ihre Versicherungen! Vielleicht sind Sie „überversichert“ und können Policen kündigen oder in einen günstigeren Tarif wechseln?
  • Falls Sie ständig einen teuren Dispokredit in Anspruch nehmen, könnten Sie diesen durch einen günstigeren Ratenkredit ablösen. Sprechen Sie mit Ihrer Bank!


Vorsicht bei Krediten und Ratenkäufen!

  • Überlegen Sie immer zuerst, ob Sie diesen Kredit wirklich brauchen.
  • Lassen Sie die Finger von Kreditangeboten, die Ihnen auch ohne „Schufa-Auskunft“ oder Bonitätsprüfung einen Kredit vermitteln wollen.
  • Wenn Sie unsicher sind, ob ein Kreditangebot seriös ist, fragen Sie bei einer Verbraucherzentrale oder Schuldnerberatungsstelle in Ihrer Nähe an und lassen Sie sich beraten.


Miete und Energiekosten haben Vorrang

Achten Sie darauf, dass Sie immer Ihre Miete und Ihre Energiekosten bezahlen, damit kein Rückstand entsteht. Ausbleibende Zahlungen können hier erhebliche Folgen wie die fristlose Kündigung der Wohnung und die Zwangsräumung bzw. den Verlust von Koch- und Heizmöglichkeiten und die Sperrung der Stromzufuhr haben. Stellen Sie eher Zahlungen an andere Gläubiger vorerst zurück.

Wenn Ihr Vermieter Ihnen auf Grund von Mietschulden die Wohnung kündigen will oder schon gekündigt hat und die Räumungsklage erhoben ist, dann sollten Sie umgehend beim Sozialamt die Übernahme der Mietschulden nach § 34 SGB XII beantragen. Das Sozialamt kann die Übernahme als einmalige Beihilfe oder als Darlehen gewähren. Als ALG II-Empfänger wenden Sie sich an Ihren dortigen Ansprechpartner. Auch in diesem Fall gibt es nach § 22 SGB II eine Möglichkeit der Übernahme der Schulden in der Regel als Darlehen. Dies gilt auch für Energieschulden, wenn die Stadtwerke mit einer Stromsperre drohen. Siehe auch unter Staatliche Hilfen.

Sollte das Amtsgericht im Räumungsurteil bereits eine Räumungsfrist festgesetzt haben, es Ihnen aber trotz intensiver Suche noch nicht gelungen sein, eine geeignete Ersatzwohnung zu finden, können Sie beim Amtsgericht mindestens 14 Tage vor einer bevorstehenden Räumung einen Antrag auf Verlängerung der Räumungsfrist beantragen. Dazu sollten Sie Ihre erfolglosen Bemühungen gut dokumentiert beifügen.


Gehen Sie keine neuen rechtlichen Verpflichtungen ein

Vereinbaren Sie bis zum Beratungsgespräch keine neuen Ratenzahlungen, Kreditaufnahmen oder Umschuldungen. Unterschreiben Sie keine Zahlungsvereinbarungen mit Inkassobüros und keine (notariellen) Schuldanerkenntnisse. Siehe auch unter Schritte der Gläubiger: Mahnungen.


Informieren Sie Ihre Gläubiger

Teilen Sie den Gläubigern die Gründe (z. B. Arbeitslosigkeit, Sozialhilfebezug) mit, warum Sie derzeit keine Zahlungen leisten können, und weisen Sie auf den Termin bei der Schuldnerberatung hin.


Sie haben kein Konto? – Beantragen Sie ein Girokonto für jedermann

Sollten Sie wegen Ihrer Schulden kein Girokonto mehr besitzen, so können Sie bei Ihrem kontoführenden Kreditinstitut oder einem anderen Kreditinstitut ein Konto auf Guthabenbasis beantragen. Dieses Konto darf aber nur im positiven Bereich geführt werden, es gibt keine Überziehungsmöglichkeit. Siehe auch unter Überschuldung vermeiden: Jedermannkonto.

RATGEBER

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